Was ist ein Anliegen?


Ein Anliegen kann ein konkretes Lebensthema sein, etwas das einen aktuell nachhaltig beschäftigt, und für das keine Lösung gefunden wird. Es kann auch ein körperliches Symptom sein.

Derjenige der eine Aufstellung machen möchte, formuliert ein konkretes Anliegen mit maximal 7 Wörtern ( die Begrenzung auf 7 hat praktische Gründe, damit der Prozess überschaubar bleibt). Es kann gegebenenfalls auch ein Bild oder eine Zeichnung sein.

Beispiele für ein Anliegen: „Ich will eine gute Beziehung leben.“ „Ich will vertrauen können“ „Was ist die Ursache meiner Rückenschmerzen?“ „Ich will Klarheit!“ „Warum habe ich oft Bauchschmerzen?“ „Warum habe ich Angst vor der Liebe?“ „❤🔑👁👣“ „Mama, meine Kinder, Ich“, etc.

In einer Gruppenarbeit wird für jeden Satzbaustein eine Person aus der Gruppe gewählt. Diese Stellvertreter fühlen sich ein und nehmen wahr, was sie in Bezug auf diesen Baustein erleben. Zunächst ohne zu sprechen finden die Stellvertreter die Grundstruktur und -dynamik des Anliegens heraus. Vielleicht drängt es sie die Position im Raum zu verändern, oder es stellen sich Körperreaktionen ein (Atemnot, Kälte, Hitze, Herzklopfen, etc), oder Emotionen (Trauer, Wut, Angst, Liebe, Eifersucht, Geborgenheit)

Dann begleite ich den Aufstellenden zu den einzelnen Stellvertretern. Diese Stellvertreter teilen die Informationen mit, die sie im Resonanzprozess mit dem jeweiligen Satzbaustein wahrnehmen. Für den Aufstellenden ergibt sich dadurch ein klares Bild der Hintergründe seines Anliegens.

Ich begleite diesen Prozess aufgrund meines Wissens und meiner Erfahrungen und ermutige gegebenenfalls den/die Aufstellende(n), seine Gefühle zu zeigen. Auf diese Weise ergibt sich ein differenziertes Bild der psychischen Struktur des Menschen, der für sich arbeitet. Es werden in der Regel seine gesunden psychischen Anteile ebenso sichtbar wie seine traumatisierten Anteile und seine Überlebensstrategien. Das Anliegen spiegelt oft einen Ausschnitt aus der Biografie der aufstellenden Person wieder.

Je nach Anliegen kann ein tiefer emotionale Prozesse in Gang kommen, oder auf einer eher kognitiven Ebene neue Erkenntnisse und Einsichten über sich selbst gewonnen werden.

Die Anliegenmethode gewährleistet, dass durch die therapeutische Arbeit keine Retraumatisierungen stattfinden und die betreffende Person in dem ihr angemessenen Tempo selbstbestimmte Entwicklungsschritte machen kann.

Durch die Visualisierung der Stellvertreter bekommt der Aufsteller Zugang zu unbewussten innerpsychischen Konflikten und behindernder Überlebensstrategien. Das bewusste Erkennen und Nachfühlen, setzt eine schrittweise Stabilisierung der eigenen Identität in Gang.